Kunst ~ Arte November 2020 Berlin

Who Cares? –feministisches Kunst Festival

6.-15. November 2020 / feldfünf e.V. / Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 7–8, 10969 Berlin
Adela Bravo Sauras, Marula Di Como, Maternal Fantasies, Johanna Fröhlich Zapata, Lisa Glauer, Nuria Güell, Eliana Heredia, Valentina Karga (in Kooperation mit Mina e.V.), Hands on Matter, The Feminist Needlework Party, Tabita Rezaire, Valeria Schwarz, Anaïs Senli, Über den Tellerrand

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Who Cares? schafft einen aktiven Reflexionsraum über Fürsorge als grundlegende Bedingung zum Aufrechterhalten von menschlichem und nicht-menschlichem Leben. Während unseres Lebensverlaufes begegnet uns Fürsorge in verschiedensten Formen. Zu Beginn unseres Lebens, wenn wir krank sind oder im Alter, sind wir auf sie angewiesen. Die meisten von uns kümmern sich, spüren Fürsorge oder werden gepflegt. Anzuerkennen, dass keine einzige Person ohne die Fürsorge anderer überleben kann, bedeutet auch unsere eigene Verletzlichkeit und gegenseitige Verflechtung zuzugeben.


In jeder Aktion, die darauf ausgerichtet ist, unsere Welt zu erhalten und sie wiederherzustellen, damit wir bestmöglich in ihr Leben können, wohnt Zuwendung inne. Sie bedeutet, sich nicht nur um den eigenen Körper und Geist zu kümmern, sondern eben auch um unsere Umgebung. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht; alles menschliche und nicht-menschliche Leben ist in einem versorgenden Geflecht des Daseins miteinander verwachsen, in dem Fürsorge das Fortbestehen des Lebens trägt. Doch da nicht jedem Geben ein gleichwertiges Nehmen folgt, ist Fürsorge selten wechselseitig. Daher stellt sie das gewohnte Verständnis für Gerechtigkeit in Frage. Durch Fürsorge werden bedeutsame Bindungen eingegangen. Trotzdem ist es problematisch, davon auszugehen, dass Fürsorge unmittelbar mit Liebe oder einer freundlichen Zuneigung verbunden sei.

Fürsorge ist nicht neutral; sie bringt Arbeit mit sich und meistens auch Machtverhältnisse. Die Arbeit, die benötigt wird, um ineinander greifende Welten zu erhalten, begründet allzu oft auf Ausbeutung. Tatsächlich ist Fürsorge die wichtigste Bedingung für den Bestand des Kapitalismus; kann die Marktwirtschaft nur deswegen stetig weiter wachsen, weil Andere oder die Natur reproduzierende Tätigkeiten umsonst oder unter prekären Verhältnissen übernehmen. Sich um etwas zu kümmern bedeutet gegenwärtig, andere Beziehungen zu vernachlässigen, sie auszuschweigen oder sie sogar ganz zu löschen. Deswegen ist es entscheidend, zu hinterfragen, was auf Kosten von wem aufrecht gehalten wird.


Who Cares? lädt Künstlerinnen, Architektinnen und Aktivist*innen ein, über Fürsorge in Bezug auf Arbeit, Privatsphäre bzw. Intimität, Natur und Nachbarschaft nachzudenken. Die diversen Beiträge verzichten auf einen spezifischen Fokus, indem sie verschiedene Ausmaße der Fürsorge untersuchen und ungelöste Spannungen aufzeigen. Das Festival zelebriert die Fülle des Fürsorgeparadigma mitsamt seines ambivalenten Charakters. Fürsorge bringt das Potenzial mit sich, mehr Engagement und Solidarität in die Beziehungen fließen zu lassen, die wir gründen. Who Cares? will ein Bewusstsein für die Auswirkungen der Fürsorge schaffen und uns zu neuen Interaktionsweisen mit menschlichen und nicht-menschlichen Wesen inspirieren.


TEAM
Kuratorin: Valeria Schwarz
kuratorische Assistentin: Katja Volkenant
Raumgestaltung: Studio IN mit Carla Isern
Grafik: Studio IN mit Farina Krause
Web: Betiana Bellofatto
Assistenz: Lorène Blanche Goesele
Ein Projekt von iCollective e.V.

Spanische Teilnehmerinnen

Adela Bravo Sauras
One on one – inside the shop window. Adela Bravo Sauras.
Performances en feldfünf e.V.:

06.11 um 18 Uhr 

15.11 um 18 Uhr


PLEASURE IS SERVED, MADAM. Ein Fenster zur Verdinglichung.
PLEASURE IS SERVED, MADAM ist ein Experiment das nach der Fähigkeit des und der Einzelnen, gemeinsam mit anderen eine Gemeinschaft der Körper und der Ideale zu bilden fragt. Die Besucher_innen entscheiden sich, den Anpassungsprozess von außen zu betrachten oder ihn aus erster Hand zu erleben. In PLEASURE IS SERVED, MADAM gibt es nur dich, den anderen und unsere Beobachter. Das Projekt beschäftigt sich mit dem Thema Sexualität aus weiblicher Sicht. Das heißt u.a., wir müssen uns einerseits mit Belästigung, Angst und Vergewaltigung befassen, aber auch mit Vergnügen, wie der Titel schon sagt. Frauen werden oft nach männlichen Begierden gewertet und auch bedroht. Wir können über die Idee der Sexualität nachdenken, wie bei einer Reise durch eine Landschaft, die in der Vulva als Mikroraum beginnt und nachts im Makroraum einer Straße endet. Es gibt einen Ort der Liebe auf der Welt und wir haben viele Möglichkeiten, um Aufregendes zu beobachten, im Gegensatz zu jemand der ein Stück Schokolade aus einem Automaten zieht, während ein Mann in einer U-Bahn masturbiert und französische Postkarten betrachtet.

Nuria Güell
Dieses Kunstwerk wurde als Ergänzung von Afrodita (2017) für das Who Cares? Festival
produziert.
Das Projekt beschäftigt sich mit der Zeit, die ich mit meinem Kind verbringe und in ein Kunstprojekt verwandele, um die Produktionskosten abrechnen zu können, die mir ein Festival über Care- (Arbeit) anbietet. Es geht um keinen großen Betrag. Trotzdem hilft er mir, die Knappheit an produktiver Zeit und somit die Engpässe von Einnahmen zu lindern, die ich als Folge der Betreuung meines Kindes während des Lockdowns erlebt habe. Nachdem ich mehrere Tage über das Thema Care nachgedacht habe, entscheide ich mich für einen ähnlichen Prozess, den ich für die Entstehung von dem Kunstwerk Afrodita (2017) verfolgt habe. Mittels die Methodologie, die ich “analytische Replik” nenne, verwandle ich die Zeit in Güter oder in Kapital, die ich mit meinem Kind verbringe.
Dieses Vorgehen fasst einige der Fragen und Bedenken zusammen, worüber ich in diesen zwei Monaten nachgedacht habe: wenn wir soziale und finanzielle Anerkennung für Empathie und Liebe verlangen, folgen wir nicht derselben produktivistischen Logik, die wir eigentlich kritisieren? Steckt nicht etwas Widersinniges hinter der Forderung Zärtlichkeit, Leidenschaft und Beziehungen für einen Wert auszutauschen? Und schließlich: wenn Care Arbeit das “Gute” ist, gibt es nicht ein Risiko, dass Care Arbeit zu einem Ziel wird während die Person, für die man sorgt sich in ein bloßes Instrument verwandelt, mit dem das geschätzte Gute erreicht wird?

Anaïs Senli
“Línea Fusca”
Línea Fusca untersucht Mutterschaft als Politikum, indem sie die Beziehung zwischen Pflegearbeit und praktischem Wissen über die materielle Welt durch die Erfahrung der Reproduktion und Mutterschaft analysiert. Mütterliche Aktivität, ohne mit einem bestimmten Geschlecht assoziiert zu werden, benötigt die Mutter, um auf die materielle Realität menschlicher Verletzlichkeit zu reagieren. Was beinhaltet demnach eine Ethik, die auf der Akzeptanz beruht, dass wir unmittelbar auf die Unterstützung anderer angewiesen sind? Kann die Erfahrung mütterlichen Daseins eine Gesellschaft
fördern, die auf gegenseitigem Zusammenwirken basiert? Im Gegenzug untersucht Línea Fusca die Reproduktion als körperlichen Prozess, der auf dem Erleben des Anderen beruht. Schwangerschaft setzt ein plötzliches Eindringen des Andersartigen in den austragenden Frauenkörper voraus. Während der neun Monate, in denen sie jemand anderen in ihrem Körper trägt, erlebt die Schwangere ein intensives Doppelleben, merkt die kontinuierlichen Änderungen in und an ihrem Körper, durch den sie das Wachstum ihres zukünftigen Kindes spürt. Doch diese physische Erfahrung wird nicht nur ausschließlich während der Schwangerschaft erlebt, wegen ihrer relationalen Natur dauert sie auch nach der Geburt weiterhin an. Während eine Verbindung mit dem Kind aufgebaut wird, ändern wir unsere Wahrnehmung und Konstruktion des Selbst, untergraben dafür unsere Integrität oder Einheit. Wir, als Individuen, teilen uns auf, indem wir das Andere, das Kind, im Zentrum unseres Selbst aufnehmen. Was bedeutet es, dass wir uns nicht unabhängig, sondern durch die Beziehung zu dem Anderen konstituieren?

Who Cares?

Who cares? establece un marco para reflexionar sobre el cuidado como una condición esencial para mantener la vida humana – y la no humana. En el curso de nuestras vidas, todos nosotros enfrentamos a situaciones de cuidado de una manera u otra. Dependemos de los cuidados cuando somos recién nacidos, cuando estamos enfermos o al final de nuestras vidas. La mayoría de nosotros se preocupa por alguien, recibe atención o es cuidada por otros en algún momento. Reconocer que ninguna persona puede sobrevivir sin el cuidado de otras personas sirve también para reconocer nuestra propia vulnerabilidad e interdependencia.


El cuidado está presente en cada acción realizada para mantener y reparar nuestro mundo, de manera que podemos vivir en él lo mejor posible. Significa cuidar no solo de nuestros propios cuerpos y mentes sino también de nuestro medio ambiente. Seamos conscientes de ello o no, todos los seres humanos y no humanos están entrelazados en una red existencial que necesita del cuidado de la vida para continuar. Pero el cuidado es rara vez recíproco, porque el dar y el recibir no suelen estar equilibrados. Por lo tanto, desafía la habitual percepción de la justicia.


Lo que hace que el cuidado sea tan especial es que es un vínculo importante para los seres humanos. Sin embargo, es problemático asociar automáticamente el cuidado con el amor o incluso con el afecto. El cuidado no es neutral: implica trabajo y, la mayoría de las veces, también relaciones de poder. El trabajo necesario para sostener mundos interdependientes se basa a menudo en la explotación. De hecho, el trabajo del cuidado es la condición más importante para la existencia de una economía capitalista: sólo porque otras personas o la naturaleza se encargan de la reproducción de tareas gratuitas o en condiciones precarias, puede la economía de mercado crecer constantemente. En consecuencia, cuidar de algo o de alguien significa también descuidar, silenciar o incluso borrar otras relaciones. Así que es crucial cuestionarse qué se mantiene a expensas de quién.


Artistas, arquitectos y activistas han sido invitados a reflexionar sobre el cuidado en relación con el trabajo, con la esfera privada/intimidad, con la naturaleza o el vecindario. Al negarse a centrarse en un solo aspecto, el festival pretende poner de relieve las tensiones no resueltas, explorando diferentes dimensiones de la atención. Who cares? anima a celebrar de la riqueza del paradigma de los cuidados, mientras que al mismo tiempo abraza su carácter ambivalente. La atención tiene el potencial de fomentar un mayor compromiso y solidaridad dentro de las relaciones que establecemos. Who Cares? pretende crear conciencia de las implicaciones del cuidado, quizás incluso inspirando nuevas formas de relacionarse con seres humanos y no humanos.

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